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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Nietzsche

[An der Brücke stand]

An der Brücke stand
jüngst ich in brauner Nacht.
Fernher kam Gesang:
goldener Tropfen quoll’s
5 über die zitternde Fläche weg.
Gondeln, Lichter, Musik –
trunken schwamm’s in die Dämmrung hinaus ...
Meine Seele, ein Saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
10 heimlich ein Gondellied dazu,
zitternd vor bunter Seligkeit.
– Hörte Jemand ihr zu? ...





Entstehungsjahr: 1888
Erscheinungsjahr: 1889
Aus: Ecce Homo / Warum ich so klug bin 7
Referenzausgabe:
Georgino Colli / Mazzino Montinari: Friedrich Nietzsche. Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bänden, Bd. 6. dtv, de Gruyter, München / Berlin / New York: 1980, S. 291.
Bemerkungen
Das selbe Gedicht erscheint in manchen Anthologien auch unter dem Titel »Venedig«. Inhaltlich und formal identisch mit der oberen Fassung erschien es 1889 auch in Nietzsches Schrift »Nietzsche contra Wagner« in dem Kapitel »Intermezzo« (Referenzausgabe, Bd. 6, S.421).

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.