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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Nietzsche

Abschied

»Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!
5 Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt – entflohn?
Die Welt – ein Thor
10 Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer Das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.
Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
15 Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg’, Vogel, schnarr’
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! –
Versteck’, du Narr,
20 Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
Die Krähen schrei’n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei’n,
Weh dem, der keine Heimat hat!«





Entstehungsjahr: 1884
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Nachgelassene Fragmente / 28 [64] / Der Freigeist 1
Referenzausgabe:
Georgino Colli / Mazzino Montinari: Friedrich Nietzsche. Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bänden, Bd. 11. dtv, de Gruyter, München / Berlin / New York: 1980, S. 329.
Bemerkungen
In den Anthologien erscheint das Gedicht wahlweise auch unter fogenden, von Nietzsche früher gesetzten Titeln: »An die Einsiedler«, »Aus der Winter-Wüste«, »Im deutschen Spätherbst« und »Mitleid hin und her«. [Siehe Ref. Bd. 14, S. 215]

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.