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Karl Streckfuß
Pipin der Kurze
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Der Stärkste soll König der Starken sein, |
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Der Größte Herrscher der Großen! |
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Nicht ziemt«, laß Jenem, so schwach und Nei», |
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Di« mächtigen Recken Gehorsam weihn, |
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Zu Lhildeiich sei er «erftoßen! " |
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So murmelt'« frecher und frecher !m Heer, |
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So böhnen li« lecken Basallen. |
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„O sebl auf die Franken, ihr Böller, her, |
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Der Klein«, der Kurze, ihr Fürst ist Li, |
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Wohl wird'« euch herrlich gefallen! |
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,,Seh!, wenn er reitet ans mächtigem Gaul, |
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Ein Aefflein auf hohem Komcele, |
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Reich! wst sein Helmbusch dem Marschall an« Maul, |
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Doch ist er auch klein, lo ist «r nicht faul |
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Zu trotzigem, stolzem Befehle." |
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Und wohl «ernimmt'« der wackre Pipin, |
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Bemerkt, wie die Grollenden sinstern, |
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Mit Murren folgend gen Welschiand zieh», |
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Ibm säumig gehorchen und frevelbafl luh» |
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Sich müriiicher läglich oerdustcrn. |
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Und stark im Geiste, gewaltig und klug, |
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Erwägt er'« mit weisen Gedanken, |
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,,,Sei beut de« Wege« , der Muhen genug, > |
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Gehemmt der Schaaren gewaltiger Zug! |
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Errichtet zum Fechtspiel die Schranken. |
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,,,.Herbei gebracht der gewaltige Leu! |
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Den Kämpfer will ich ihm stellen ! " " |
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Wohl seltsam scheint die Bestellung nnd neu, |
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Und mit Neugier murmeln, e« murmeln mit Scheu |
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Di« trotzigem stolzen Gesellen. |
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Ring« wlrd der Platz mil Gittern umhegt, |
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Dahin!« die Sitze der Ritter, |
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lirhaben de« König« Ballon — da frag! |
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Wohl Jeder, zu Unmutb und Sorgen erregt: |
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Wie schwach loch, wie schwankend da» Gitter! |
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Fin Ruck mit der mächtigen Tatz' und e« fällt, |
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Doch ler dort oben, der winzige Heid, |
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Wohl hal er sich lieffiich sicher gestelll, |
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Zu schau», w,e die Krall«» un« pack«» ! |
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Und der Leu wird gebracht im «ergilterten Hau«, |
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An der Schranke geöffnet da« Pförtchen, |
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Und der Tbiere König, «r schreitet berau«, |
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Und die Ritter erfaßt nun Schrecke» und Grau«, |
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Und keiner redet ein Wörlchen, |
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Doch zweifeln» sieb! sich der Löwe tefrein, |
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Und reck! in der Freihei! die Glieder, |
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Und zeigt der Zähne gewaltige Rcihn. |
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Laut gähnend, und strecket sich nieder. |
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Vom Ballon ruft Pipin mit dox/ierndem Laut: |
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Da schau! ein Kampfsriel, ein würdige«, schaut, |
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Wer sich zu messen mit diesem getraut, |
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Den nenn' lch den listen der Sieger." " |
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Und ein Iischel», ein Murmeln, «in Murren crNingt, |
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Dumpf nur im Beginnen und leise. |
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Bald, wie wenn, stärke» und stärker beschwingt, |
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Mit wogenden Flutben eic Windibraut ringl, |
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So faulet'« und brauset'« im Kreise. |
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Und lecklich empor «ritt Gerhartt »om Stern, |
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Der frechste »er frechen Kumpane; |
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„Der Vortanz »erbleib« dem König und Herrn! |
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Auf, tanze lenn, Hoheit, wir lassen dir« gern, |
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Herab von dem sichern Altane!" |
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„„So sei'«!"" spricht Pipin, und sich schwingend |
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Springt der Kurze, doch markig und sehnig,, |
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Vom Valcon herab auf den sandigen !l!latz. |
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,,,,Ļf, Bruder Leu, auf, wetze die Tatz'! |
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Auf, König, dich fordert ei» König! "" |
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Und schlagt ihn mit stacher Kling' auf den Vug, > |
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Und erregt ihm den Grimm in der Seele, |
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Auf schnell! der Leu , wuthschanernd im Flug, |
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Doch dringt, eh' die Tatze, die zuckende, schlug, |
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Da« Schwert durch den Rachen zur Kehle. |
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Und da« Blut entsprudclt dem grausigen Schlund, |
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Und über sich stürzt er, und wendet |
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Drei, »ier Mal die Augen, rollend ln> Rund, |
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Diel, «icr Mal geißelt der Schweif den Grund, |
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Und er streck! sich, und zuck! und «eitndet, |
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Stolz schaut der König im Kreise herum, |
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Und die Ritter athmen bellommen, |
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Und blicken zu Boden erstaunt unt stumm, |
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Und der Hohe drebt sich verachtend um — |
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Kein Murren ward weiter vernommen. |