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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Gottfried August Bürger (Jocosus Hilarius)

Die Schatzgräber

Ein Winzer, der am Tode lag,
Rief seine Kinder an und sprach:
»In unserm Weinberg liegt ein Schatz,
Grabt nur danach!« – »An welchem Platz?«
5 Schrie alles laut den Vater an.
»Grabt nur!« – O weh! da starb der Mann.
Kaum war der Alte beigeschafft,
So grub man nach aus Leibeskraft.
Mit Hacke, Karst und Spaden ward
10 Der Weinberg um und um gescharrt.
Da war kein Kloß, der ruhig blieb;
Man warf die Erde gar durchs Sieb,
Und zog die Harken kreuz und quer
Nach jedem Steinchen hin und her.
15 Allein da ward kein Schatz verspürt
Und jeder hielt sich angeführt.
Doch kaum erschien das nächste Jahr,
So nahm man mit Erstaunen wahr,
Daß jede Rebe dreifach trug.
20 Da wurden erst die Söhne klug,
Und gruben nun Jahr ein, Jahr aus
Des Schatzes immer mehr heraus.





Entstehungsjahr: vor 1790
Erscheinungsjahr: 1789
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Günter Häntzschel / Hiltrud Häntzschel: Gottfried August Bürger. Sämtliche Werke. Hanser-Verlag, München: 1987, S. 311-312.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.