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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Carl Bernhard von Trinius

[Wißt Ihr von des Bergmanns Leiche]

    Wißt Ihr von des Bergmanns Leiche
Aus dem Schachte zu Falun?
Dem der Gott im Schattenreiche
Unverletzt vergönnt zu ruhn?
5 Nicht der Nachwelt Thränen weckte
Dieser Jüngling grauer Zeit;
Doch den treugeliebten deckte
Erde, nicht Vergessenheit.
    Bey des Grubenlämpchens Schimmern
10 Mußte sich das junge Herz
Selber seine Ruhstatt zimmern,
Einen Sarg aus blankem Erz.
Bis nach mehr denn sechzig Jahren,
Viele hundert Klafter tief
15 Man hinab zur Stell' gefahren,
Wo der arme Bergmann schlief.
    Doch wie, rein und aufgehoben,
Ruht im Erdenschoß das Gold,
Das befleckt im Licht hier oben
20 Durch der Menschenhände rollt;
So im Schoß metallner Klüfte
Schloß das ewige Gestein
In ambrosisch reine Düfte
Unversehrt den Schläfer ein.
25     Wie er nun ans Licht gezogen,
Blühend wie ein Mayentag,
Dem der Sonne Glanz entflogen,
Vor des Volkes Augen lag;
Fragen staunend alle Blicke:
30 Wer der Wunderjüngling sey?
Und es zittert an der Krücke
Auch ein Mütterchen herbey.
    Flehend drängt die Tiefbetrübte
Durch die Menge sich, und schaut —
35 Ja! er ists der Heißgeliebte!
Und sie ist des Jünglings Braut!
»Nur der Tod kann dich mir geben,
Aber ich war ewig Dein!«
Sprachs, und schlief zum bessern Leben
40 An des Jünglings Busen ein.





Entstehungsjahr: vor 1821
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Eine Theestunde
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Dramatische Ausstellungen von K. B. Trinius. Reimer, Berlin: 1820, S. 236-238.
Bemerkungen
vergleiche zu diesem Stoff auch die Erzählung »Unverhofftes Wiedersehen« von Johann Peter Hebel und »Das Bergwerk zu Falun« von Hugo von Hofmannsthal.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.