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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Aloys Schreiber

Meister Oluf

Meister Oluf der Schmied auf Helgoland
Stand noch vor dem Amboß um Mitternacht;
Laut heulte der Wind am Meeresstrand,
Da pocht es an seiner Thür mit Macht.
5 »Heraus, heraus, beschlag mir mein Roß,
Ich muß noch weit, und der Tag ist nah!«
Meister Oluf öffnet der Thüre Schloß,
sin stattlicher Reuter steht vor ihm da.
Schwarz ist sein Panzer, sein Helm und Schild,
10 An der Hüfte hängt ihm ein breites Schwert,
Sein Rappe schüttelt die Mähne gar wild
Und stampfet mit Ungeduld die Erd.
Woher so spät? Wohin so schnell?
»Auf Norderney kehrt ich gestern ein,
15 Mein Pferd ist rasch, die Nacht ist hell,
Vor der Sonn muß ich in Norwegen seyn.«
Hättet ihr Flügel, so glaubt ich's gern! '
»Mein Rappe läuft wohl mit dem Wind!
Doch bleichet schon da und dort ein Stern,
20 Drum her mit dem Eisen, und mach geschwind.«
Meister Oluf nimmt das Eisen zur Hand,
Es ist zu klein, doch dehnt es sich aus,
Und wie es wächst um des Hufes Rand,
Da fassen den Meister Angst und Graus.
25 Der Reuter sizt auf, es klirrt sein Schwert.
»Nun Meister Oluf gute Nacht!
Wohl hast du beschlagen Odins Pferd,
Ich eile hinüber zur blut'gen Schlacht.«
Der Rappe schießt fort über Land und Meer,
30 Um Odins Haupt erglänzet ein Licht;
Zwölf Adler fliegen hinter ihm her,
Sie fliegen schnell und erreichen ihn nicht.





Entstehungsjahr: vor 1818
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Erstes Buch
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gedichte von Alois Schreiber. Heinrich Laupp, Tübingen: 1817, S. 14-15.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.