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Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Trinklied

Seht den jungen Bacchus an!
Seht doch! wie er trinken kann;
Seht die Augen, die Geberden
Sollen unsre Muster werden,
5 Wenn die Gläser, voll von Wein,
Aug’ und Herz und Geist erfreu’n.
Treue Brüder, laßt euch rathen,
Thut doch, was die Alten thaten,
Gebt Verdiensten ihren Lohn,
10 Krönet diesen Bacchussohn;
Daß die Tugend auf der Erde
Lieblich und erkennet werde.
Den die Weisheit sichtbar schmükkt,
Der sich doch zum Bacchus schikkt,
15 Den man sieht sein Amt verwalten,
Und des Abends Piknik halten,
Der noch nie bestrafet ist,
Weil man ihn dabei vermißt;
Der noch keinen Trunk vermieden,
20 Der sich selbst darzu beschieden,
Den kein voller Römer schrekkt;
Dem der Wein am besten schmekkt;
Der verdient zum rechten Lohne
Von den Brüdern eine Krone.
25 Brüder! seht den Bruder an,
Wie der Bruder trinken kann!
Unter allen Bacchussöhnen
Muß man ihn zum König krönen,
Brüder, ia, er muß es seyn,
30 Seht! er schenkt schon wieder ein.





Entstehungsjahr: vor 1750
Erscheinungsjahr: 1749
Fassung: Andere
Aus: Versuch in scherzhaften Liedern / Erster Teil
Referenzausgabe:
Alfred Anger: Johann Wilhelm Ludwig Gleim. Versuch in scherzhaften Liedern und Lieder. Niemeyer, Tübingen: 1964, S. 39-40.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Der Trinker , entstanden vor 1750

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.