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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Otto Roquette

[Noch ist die blühende goldene Zeit]

Noch ist die blühende goldene Zeit,
O Du schöne Welt, wie bist Du so weit:
Und so weit ist mein Herz und so blau wie der Tag,
Wie die Lüfte, durchjubelt vom Lerchenschlag!
5 Ihr Fröhlichen singt, weil das Leben noch mait:
Noch ist die schöne, die blühende Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!
Frei ist das Herz und frei ist das Lied,
Und frei ist der Bursch, der die Welt durchzieht,
10 Und ein rosiger Kuß ist nicht minder frei,
So spröd' und verschämt auch die Lippe sei.
Wo ein Lied erklingt, wo ein Kuß sich beut,
Da heißt's: Noch ist blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen.
15 Ja im Herzen tief innen ist Alles daheim,
Der Freude Saaten, der Schmerzen Keim.
Drum frisch sei das Herz und lebendig der Sinn,
Dann brauset ihr Stürme, daher und dahin!
Wir aber sind allzeit zu singen bereit:
20 Noch ist die blühende, goldene Zeit,
Noch sind die Tage der Rosen!





Entstehungsjahr: vor 1852
Erscheinungsjahr: 1851
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Waldmeisters Brautfahrt, Bd. 1. Cotta Verlag, Stuttgart: 1851, S. 953-954.
Bemerkungen
Da uns die Referenzvorlage (nachgewiesen im KOBV BIB=(109 12070588)) immer noch nicht zur Verfügung steht, bilden wir hier den Text ab, wie ihn das »Deutsche Museum« 1851, S. 953-954 abbildet. Das Gedicht ist ebenfalls abgedruckt in der Anthologie »Dichtergrüße«, hg. v. Elise Polko, 313-317. Tausend, C. F. Amelangs Verlag, Leipzig 1806 [d.i. 1906], S. 166.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.