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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Theodor Däubler

(Berauschter Abend)

Purpurschwere, wundervolle Abendruhe
Grüßt die Erde, kommt vom Himmel, liebt das Meer.
Tanzgestalten, rotgewandet, ohne Schuhe,
Kamen rasch, doch sie versinken mehr und mehr.
5 Furchtbar rot ist jetzt die Stunde. Wutendzündet
Drohen Panther. Grausamfunkelnd. Aufgebracht!
Dieser bleibt: ein Knabe reitet ihn und kündet
Holder Wunder tollen Jubel in die Nacht.
Nacht! der Abend, aller Scharlach mag verstrahlen.
10 Auch der Panther schleicht im Augenblick davon.
Aber folgt dem Knaben! Sacht, in schmalen Glutsandalen
Tanzt er nackt im alten Takt von Babylon.
Alle Flammen abgeschüttelt? Auf der Füße
Blassen Spitzen winkt und fiebert jetzt das Kind:
15 Weltentschwunden? Sterne sind die sichern Grüße
Stiller Keuschheit überm Meere, vor dem Wind.





Entstehungsjahr: vor 1917
Erscheinungsjahr: 1916
Aus: Erster Teil / Hymne an Italien / Sang an Neapel
Referenzausgabe:
Friedhelm Kemp: Dichtungen und Schriften. Kösel Verlag, München: 1956, S. 71-72.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.