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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Christiane von Breden (Ada Christen)

Ein Balg*

Die alte Frau hat ein hartes Gesicht,
    Doch kluge sanfte Augen,
Die wenig mehr beim Pfenniglicht
    Und nicht zum Weinen taugen.
5 Sie war ein Balg ... Als Findelkind
    Verlaßner als die Armen,
Bat weder Herren noch Gesind
    Um Futter und Erbarmen.
Sie griff fest zu und schaffte stramm
10     Wie ehrbar-ernste Leute,
Daß nie sie Unverdientes nahm
    Erfreut das Weib noch heute.
Sie zeigt auch jetzt mit Bauernstolz
    Erdarbte Thalerscheine:
15 »Die sind mein unverbranntes Holz,
    Meine ungetrunknen Weine ...
Die sind mein ungegessenes Brod,
    Auf jedem steht geschrieben:
Ein Alter ohne Schand' und Noth ...
20     Und was mir Gott schuldig geblieben.«
* Ein Findling





Entstehungsjahr: vor 1879
Erscheinungsjahr: 1878
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Aus der Tiefe. Neue Gedichte. Hoffmann & Campe, Hamburg: 1878, S. 59-60.
Bemerkungen
Die Referenzvorlage dieser Ausgabe konnte von uns noch nicht eingesehen werden.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.