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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Conrad Ferdinand Meyer

Stapfen

Träumend schreiten wir auf Waldeswegen,
Aus den gelben Blättern rieselt Regen,
Und den Pfad lass’ ich voran Dich gehen,
Den wir Hand in Hand gewandelt haben,
5 Sehe leichter Stapfen Flucht entstehen,
Zarter Sohlen Bildnis eingegraben ...
Wie Du schweigst! Wie kühl die Lippen zaudern!
Aber Deine feinen Stapfen plaudern;
Deine Stapfen können’s nicht verhehlen,
10 Schwatzen und beteuern und erzählen,
Wie sie Dich in schwülen Sommertagen
Durch den feuchten Waldesgrund getragen,
Wie sie suchten, spähten, lauschend weilten,
Wie sie sehnlich mir entgegeneilten ...
15 Doch die leidenschaftliche Geschichte
Glaub’ ich nicht im bleichen Herbsteslichte,
Flücht’ge Stapfen, die davon geblieben,
Werden bald vergeh’n, verweh’n, verstieben –
Ihr Geplauder lass dich nicht erschrecken!
20 Müdes Laub wird Deine Stapfen decken ...





Entstehungsjahr: vor 1882
Erscheinungsjahr: 1881
Fassung: Späte
Aus: Apparat zur Abteilung V. der Gedichte
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 4. Benteli-Verlag: 1975, S. 59-60.
Bemerkungen
vgl. die Abbildung der originalen Druckfassung von 1881 in Bd. 4, S. 193 der Referenzvorlage.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Stapfen , entstanden vor 1865

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.