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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Conrad Ferdinand Meyer

Napoleon im Kreml

Der Kaiser nickte schlummerschwer mit marmorbleichem Haupte
Im Burgpalast der Czarenstadt, die er bezwungen glaubte.
Da sah im Traum er einen Geist, geschäftig, einen bösen,
Von seiner mächtgen Schulter ihm den Purpur abzulösen.
5 Und ob er wehrte mit der Hand, ob seine Blicke drohten,
Der Dämon schrie mit wilder Gier: Mich lüstet nach dem rothen!
Wo kann zu meinen Flügeln ich ein schöner Kleid erwerben?
Es ist getaucht in Menschenblut – es wird sich nie verfärben!
Die Beiden rangen Leib an Leib, doch, seinen Raub ergreifend,
10 Entfleucht der Dämon, durch die Nacht den Kaisermantel schleifend.
Und wo der Saum des Purpurs flog, beginnt die Nacht zu bluten –
Der Kaiser fährt erzürnt empor – und sieht in Moskaus Gluten. –





Entstehungsjahr: 1862-1863
Erscheinungsjahr: 1875
Fassung: Frühe
Aus: Apparat zur Abteilung IV. der Gedichte
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 3. Benteli-Verlag: 1967, S. 339-340.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Napoleon im Kreml , entstanden 1862-1863

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.