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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Conrad Ferdinand Meyer

Mövenflug

Möven sah um einen Felsen kreisen
Ich in unermüdlich gleichen Gleisen,
Auf gespannter Schwinge schweben bleibend,
Eine schimmernd weiße Bahn beschreibend,
5 Und zugleich im stillen Meeresspiegel
Sah ich um die selben Felsenspitzen
Eine helle Jagd gestreckter Flügel
Unermüdlich durch die Tiefe blitzen.
Und der Spiegel hatte solche Klarheit,
10 Daß sich anders nicht die Flügel hoben
Tief im Meer, als hoch in Lüften oben,
Daß sich völlig glichen Trug und Wahrheit.
Allgemach beschlich es mich wie Grauen,
Schein und Wesen so verwandt zu schauen,
15 Und ich fragte mich, am Strand verharrend,
Auf das doppelte Geflatter starrend:
Und du selbst? ... Bist du lebendig Leben?
Oder nur ein traumgespiegelt Schweben?
Treibst du dich im Kreis mit nicht’gen Dingen,
20 Oder hast du Kraft in deinen Schwingen?





Entstehungsjahr: 1881
Erscheinungsjahr: 1881
Fassung: Frühe
Aus: Apparat zur Abteilung IV. der Gedichte
Referenzausgabe:
Hans Zeller, Alfred Zäch: Conrad Ferdinand Meyer. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 3. Benteli-Verlag: 1967, S. 368.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: Möwenflug , entstanden vor 1881

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.