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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Gottfried Keller

[Willkommen, klare Sommernacht]

Willkommen, klare Sommernacht,
Die auf tautrunknen Flügeln liegt!
Gegrüßt mir, hehre Sternenpracht,
Die spielend sich im Weltraum wiegt!
5 Das Urgebirge um mich her
Ist schweigend, wie ein Nachtgebet!
Weit hinter ihm hör ich das Meer
Im Geist, und wie die Brandung geht!
Ich höre einen Flötenton,
10 Den mir der Wind von Westen bringt,
Indeß herauf im Osten schon
Die Ahnung leis vom Tage dringt.
Ich sinne, wo in weiter Welt
Jetzt sterben mag ein Menschenkind?
15 Und ob vielleicht den Einzug hält
Ganz still ein lächelnd Heldenkind?
Doch wie nun auf dem Erdental
Ein absolutes Schweigen ruht;
Ich fühle mich so leicht zumal
20 Und wie die Welt so still und gut.
Der letzte leise Schmerz und Spott
Verschwindet aus des Herzens Grund;
Mir ist, als tät der alte Gott
Mir endlich seinen Namen kund!





Entstehungsjahr: 1844
Erscheinungsjahr: 1936
Fassung: Andere
Aus: Gedichte 1846 / Natur / Nacht V.
Referenzausgabe:
Jonas Fränkel / Carl Helbling: Gottfried Keller. Sämtliche Werke, Bd. 14. Benteli, Bern: 1926ff., S. 28-29.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Willkommen, klare Sommernacht] , entstanden 1844
Späte Fassung: Stille der Nacht , entstanden vor 1889

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.