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Gottfried Keller

[Es gehet eine schöne Sage]

Es gehet eine schöne Sage
Wie Märchenduft auf Erden um,
Wie eine süße Sehnsuchtsklage
In lauer Frühlingsnacht herum.
5 Das ist das Lied vom Völkerfrieden
Und von dem letzten Menschenglück,
Von goldner Zeit, die einst hienieden
Mit Glanz und Reinheit kehrt zurück;
Wo einig alle Völker beten
10 Zum einen König, Gott und Hirt, –
Von jenem Tag, wo den Propheten
Ihr ehern Recht gesprochen wird!
Nur eine Schmach wirds fürder geben,
Nur eine Sünde auf der Welt:
15 Das ist das eitle Widerstreben,
Das es für Traum und Wahnsinn hält.
Wer diese Hoffnung hat verloren
Und böslich sie verloren gab,
Der wäre besser ungeboren
20 Und ihm gebührt kein Menschengrab!





Entstehungsjahr: 1844
Erscheinungsjahr: 1936
Fassung: Andere
Aus: Gedichte 1846 / Natur / Frühling 2
Referenzausgabe:
Jonas Fränkel / Carl Helbling: Gottfried Keller. Sämtliche Werke, Bd. 14. Benteli, Bern: 1936, S. 34.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Es wandert eine schöne Sage] , entstanden vor 1846
Späte Fassung: Frühlingsglaube , entstanden vor 1889

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.