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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Christian Adolf Overbeck

Sehnsucht nach dem Frühling

Komm’, lieber Mai, und mache die Bäume wieder grün,
Und lass’ uns an dem Bache die kleinen Veilchen blühn!
Wie möchten wir so gerne ein Veilchen wieder sehn,
Ach, lieber Mai, wie gerne einmal spaziren gehn
5 Zwar Wintertage haben wol auch der Freuden viel:
Man kann im Schnee eins traben und treibt manch’ Abendspiel,
Baut Häuserchen von Karten, spielt Blindekuh und Pfand;
Auch giebt’s wohl Schlittenfahrten auf’s liebe freie Land;
Doch wenn die Vöglein singen und wir dann froh und flink
10 Auf grünem Rasen springen, das ist ein ander Ding!
Jetzt muß mein Steckenpferdchen dort in dem Winkel stehn,
Denn draußen in dem Gärtchen kann man vor Schmutz nicht gehn.
Am meisten aber dauert mich Lottchens Herzeleid:
Das arme Mädchen lauert recht auf die Blumenzeit;
15 Umsonst hol’ ich ihr Spielchen zum Zeitvertreib herbei;
Sie sitzt auf ihrem Stühlchen wie’s Hühnchen auf dem Ei.
Ach, wenn’s doch erst gelinder und grüner draußen wär!
Komm’, lieber Mai! Wir Kinder, wir bitten gar zu sehr!
O komm’ und bring’ vor allen uns viele Veilchen mit,
20 Bring’ auch viel Nachtigallen und schöne Kuckuks mit. –





Entstehungsjahr: 1775
Erscheinungsjahr: 1776
Fassung: Frühe
Referenzausgabe:
Franz Magnus Böhme: Volksthümliche Lieder der Deutschen im 18. und 19. Jahrhundert. Breitkopf und Härtel, Leipzig: 1895, S. 470.
Bemerkungen
Erstdruck im »Vossischen Musenalmanach für 1776« (Lauenburgischer Musenalmanach), S. 49 unter dem Titel »Fritzchen an den Mai«. Der hier vorliegende Text ist von Wolfgang Amadeus Mozart 1791 als Komposition mit Clavierbegl. komponiert worden.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Späte Fassung: An den Mai , entstanden 1775

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.