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Ewald Christian von Kleist

An die preußische Armee

Unüberwundnes Heer! Mit dem Tod und Verderben
In Legionen Feinde dringt;
Um das der frohe Sieg die gold’nen Flügel schwingt,
O Heer, bereit zum Siegen oder Sterben!
5     Sieh! Feinde, deren Last die Hügel fast versinken,
Den Erdkreis beben macht,
Ziehn gegen dich, und drohn mit Quaal und ew’ger Nacht;
Das Wasser fehlt, wo ihre Rosse trinken!
    Der dürre, schiele Neid treibt niederträcht’ge Schaaren
10 Aus West und Süd heraus,
Und Nordens Höhlen speyn, so wie des Osts, Barbaren
Und Ungeheur, dich zu verschlingen, aus!
    So tobt ein Flammen-Meer, das aus Vesuvens Munde
Sich donnernd in das Feld ergießt,
15 Mit dem Furcht und der Tod in Städt’ und Dörfer fließt;
Das Wasser flieht das Land, und kocht auf heißem Grunde!
    Verdopple deinen Muth, o Heer! Der Feinde Fluten
Hemmt Friedrich, und dein starker Arm;
Und die Gerechtigkeit verjagt den tollen Schwarm:
20 Sie blitzt durch dich auf ihn, und seine Rücken bluten.
    Die Luft wird deinen Ruhm zur späten Nachwelt wehen;
Die klugen Enkel ehren dich,
Ziehn dich den Römern vor, dem Cäsar Friederich,
Und Böhmens Felsen sind dir ewige Trophäen!
25     Nur schone, wie bisher, im Lauf von großen Thaten,
Den Landmann, der dein Feind nicht ist!
Hilf seiner Noth, wenn du von Noth entfernet bist;
Das Rauben überlaß den Feigen und Croaten!
    Ich seh, ich sehe schon (freut euch, o Preußens Freunde!)
30 Die Tage deines Ruhms sich nah’n.
In Ungewittern ziehn die Wilden stolz heran,
Doch Friedrich winket dir; wo sind sie nun, die Feinde?
    Du eilest ihnen nach, und drückst mit schwerem Eisen
Den Tod tief ihren Schädeln ein,
35 Und kehrst voll Ruhm zurück, die Deinen zu erfreun,
Die jauchzend dich empfahn, und ihre Retter preisen.
    Auch ich, ich werde noch, vergönn’ es mir, o Himmel!
Einher vor wenig Helden ziehn;
Ich seh dich, stolzer Feind, den kleinen Haufen fliehn,
40 Und find’ Ehr’ oder Tod im rasenden Getümmel!





Entstehungsjahr: 1757
Erscheinungsjahr: 1803
Fassung: Andere
Referenzausgabe:
Wilhelm Körte: Christian von Kleist’s sämmtliche Werke nebst des Dichters Leben aus seinen Briefen an Gleim, Bd. 2. Johann Friedrich Unger, Berlin: 1803, S. 33-36.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Ode an die preußische Armee , entstanden 1757

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.