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Eduard Mörike

[Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift]

  Thereile. Wie süß der Nachtwind nun die Wiese streift,
Und klingend jetzt den jungen Hain durchläuft!
Da noch der freche Tag verstummt,
Hört man der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge,
5 Das aufwärts in die zärtlichen Gesänge
Der reingestimmten Lüfte summt.
  König. Vernehm’ ich doch die wunderbarsten Stimmen
Vom lauen Wind wollüstig hingeschleift,
Indes mit ungewissem Licht gestreift
10 Der Himmel selber scheinet hinzuschwimmen.
  Thereile. Wie ein Gewebe zuckt die Luft manchmal,
Durchsichtiger und heller aufzuwehen,
Dazwischen hört man weiche Töne gehen
Von sel’gen Elfen, die im blauen Saal
15 Zum Sphärenklang,
Und fleißig mit Gesang,
Silberne Spindeln hin und wieder drehen.
  König. O holde Nacht, du gehst mit leisem Tritt
Auf schwarzem Samt, der nur am Tage grünet,
20 Und luftig schwirrender Musik bedienet
Sich nun dein Fuß zum leichten Schritt,
Womit du Stund’ um Stunde missest,
Dich lieblich in dir selbst vergissest –
Du schwärmst, es schwärmt der Schöpfung Seele mit!





Entstehungsjahr: 1825
Erscheinungsjahr: 1832
Fassung: Andere
Aus: Maler Nolten
Referenzausgabe:
Gustav Keyßner: Eduard Mörikes Sämtliche Werke. Deutsche Verlags-Anstalt: o. J., S. 213.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Gesang zu Zweien in der Nacht , entstanden 1825

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.