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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Eduard Mörike

Verzweifelte Liebe
Sonett

Die Liebe, sagt man, wird am Pfahl gebunden,
    Geht endlich arm, verlassen, unbeschuht;
    Dies edle Haupt hat nicht mehr, wo es ruht.
Mit ihren Tränen netzt sie ihre Wunden.
5 So hab auch ich die Liebe jüngst gefunden;
    Schön war ihr Wahnsinn, ihrer Wange Glut,
    Noch scherzend in der Frühlingsstürme Wut
Und wilde Kränze in das Haar gewunden.
Wie? solche Schönheit konnt ich einst verlassen?
10 So kommt nun doppelt schön das alte Glück!
O komm, in diese Arme dich zu fassen!
    Doch wehe! welche Miene, welch ein Blick!
Sie küßt mich zwischen Lieben, zwischen Hassen, –
    Sie kehrt sich ab und – kehrt mir nie zurück!





Entstehungsjahr: 1344
Erscheinungsjahr: 1829
Fassung: Andere
Aus: Ein Liederheft
Referenzausgabe:
Gerhart Baumann: Eduard Mörike. Sämtliche Werke in zwei in sich abgeschlossenen Bänden, Bd. 1. J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart: 1954, S. 18-19.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: [Die Liebe, sagt man, steht am Pfahl gebunden] , entstanden 1828
Andere Fassung: Und wieder , entstanden 1828

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.