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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Eduard Mörike

[Sehet ihr am Fensterlein]

Sehet ihr am Fensterlein
Dort die rote Mütze wieder?
Muß nicht ganz geheuer sein,
Denn er geht schon auf und nieder.
5   Und was für ein toll Gewühle
    Plötzlich auf den Gassen schwillt –
    Horch! Das Jammerglöcklein grillt:
      Hinterm Berg, hinterm Berg
Brennt’s in einer Mühle!
10 Schaut, da sprengt er, wütend schier,
Durch das Tor, der Feuerreiter,
Auf dem rippendürren Tier,
Als auf einer Feuerleiter;
  Durch den Qualm und durch die Schwüle
15     Rennt er schon wie Windesbraut,
    Aus der Stadt da ruft es laut:
      Hinterm Berg, hinterm Berg
Brennt’s in einer Mühle!
Keine Stunde hielt es an,
20 Bis die Mühle borst in Trümmer,
Und den wilden Reitersmann
Sah man von der Stunde nimmer;
  Darauf stille das Gewühle
    Kehret wiederum nach Haus,
25     Auch das Glöcklein klinget aus:
      Hinterm Berg, hinterm Berg,
Brennt’s! –
Nach der Zeit ein Müller fand
Ein Gerippe samt der Mützen
30 Ruhig an der Kellerwand
Auf der beinern’ Mähre sitzen.
  Feuerreiter, wie so kühle
    Reitest du in deinem Grab!
    Husch! Da fällt’s in Asche ab –
35       Ruhe wohl, ruhe wohl,
Drunten in der Mühle!





Entstehungsjahr: 1824
Erscheinungsjahr: 1832
Fassung: Andere
Aus: Maler Nolten
Referenzausgabe:
Gustav Keyßner: Eduard Mörikes Sämtliche Werke. Deutsche Verlags-Anstalt: o. J., S. 175-176.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Der Feuerreiter , entstanden 1824

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.