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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Eduard Mörike

[Schön prangt im Silbertau die junge Rose]

  Schön prangt im Silbertau die junge Rose,
Den ihr der Morgen in den Busen rollte,
Sie blüht, als ob sie nie verblühen sollte,
Sie ahnet nichts vom letzten Blumen-Lose.
5   Der Adler strebt hinan ins Grenzenlose,
Sein Auge trinkt sich voll von sprüh’ndem Golde,
Er ist der Tor nicht, dass er fragen wollte,
Ob er das Haupt nicht an die Wölbung stoße.
  Mag einst der Jugend Blume uns verbleichen,
10 So war die Täuschung doch so himmlisch süße,
Wir wollen ihr vorzeitig nicht entsagen.
  Und unsre Liebe muß dem Adler gleichen:
Ob alles, was die Welt gab, uns verließe –
Die Liebe darf den Flug ins Ew’ge wagen.





Entstehungsjahr: um 1830
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Andere
Aus: Maler Nolten
Referenzausgabe:
Gustav Keyßner: Eduard Mörikes Sämtliche Werke. Deutsche Verlags-Anstalt: o. J., S. 351.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Andere Fassung: Nur zu! , entstanden 1830

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Bobenhausen.