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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Wilhelm Hauff

[Steh ich in finstrer Mitternacht]

»Steh ich in finstrer Mitternacht
So einsam auf der fernen Wacht,
Dann denk ich an mein fernes Lieb,
Ob es mir treu und hold verblieb.
5 Als ich zur Fahne fortgemüßt,
Hat sie so herzlich mich geküßt,
Mit Bändern meinen Hut geschmückt
Und weinend mich ans Herz gedrückt.
Sie liebt mich noch, sie ist mir gut,
10 Drum bin ich froh und wohlgemut,
Mein Herz schlägt warm in kalter Nacht,
Wenn ich ans ferne Lieb gedacht.
Jetzt bei der Lampe mildem Schein
Gehst du wohl in dein Kämmerlein,
15 Und schickst dein Nachtgebet zum Herrn
Auch für den Liebsten in der Fern.
Doch wenn du traurig bist und weinst,
Mich von Gefahr umrungen meinst:
Sei ruhig; steh in Gottes Hut,
20 Er liebt ein treu Soldatenblut.
Die Glocke schlägt, bald naht die Rund
Und löst mich ab zu dieser Stund:
Schlaf wohl im fernen Kämmerlein
Und denk in meinen Träumen mein!«





Entstehungsjahr: 1826
Erscheinungsjahr: 1827
Fassung: Späte
Aus: Erzählungen / Phantasien im Bremer Ratskeller
Referenzausgabe:
Leopold Magon: Hauffs Werke in zwei Bänden, Bd. 1. Volksverlag, Weimar: 1962, S. 23-24.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Soldatenliebe , entstanden vor 1824

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.