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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

[Was hör’ ich draußen vor dem Tor?]

Was hör’ ich draußen vor dem Tor?
Was auf der Brücke schallen?
Laßt den Gesang zu unserm Ohr
Im Saale widerhallen!
5 Der König sprach’s der Page lief,
Der Knabe kam, der König rief:
Bring ihn herein den Alten.
Gegrüßet seid ihr hohe Herrn
Gegrüßt ihr schöne Damen!
10 Welch reicher Himmel! Stern bei Stern!
Wer kennet ihre Namen?
Im Saal voll Pracht und Herrlichkeit
Schließt Augen euch, hier ist nicht Zeit
Sich staunend zu ergötzen.
15 Der Sänger drückt die Augen ein,
Und schlug die vollen Töne,
Der Ritter schaute mutig drein,
Und in den Schoß die Schöne.
Der König, dem das Lied gefiel,
20 Ließ ihm, zum Lohne für sein Spiel,
Eine goldne Kette holen.
Die goldne Kette gib mir nicht,
Die Kette gib den Rittern,
Vor deren kühnem Angesicht
25 Der Feinde Lanzen splittern.
Gib sie dem Kanzler, den du hast,
Und laß ihn noch die goldne Last
Zu andern Lasten tragen.
Ich singe, wie der Vogel singt,
30 Der in den Zweigen wohnet.
Das Lied, das aus der Kehle dringt,
Ist Lohn, der reichlich lohnet;
Doch darf ich bitten, bitt’ ich eins,
Laßt einen Trunk des besten Weins
35 In reinem Glase bringen.
Er setzt es an, er trank es aus.
O Trank der süßen Labe!
O! dreimal hochbeglücktes Haus
Wo das ist kleine Gabe!
40 Ergeht’s euch wohl, so denkt an mich,
Und danket Gott, so warm als ich
Für diesen Trunk euch danke.





Entstehungsjahr: vor 1784
Erscheinungsjahr: 1911
Fassung: Frühe
Aus: Wilhelm Meisters theatralische Sendung
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 9. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 218-219.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Der Sänger , entstanden vor 1784
Späte Fassung: Der Sänger , entstanden vor 1784
Späte Fassung: [Was hör' ich draußen vor dem Tor?] , entstanden vor 1784

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.