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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

[Es war ein König in Thule]

Es war ein König in Thule
Ein’ goldnen Becher er hätt
Empfangen von seiner Bule
Auf ihrem Todes Bett.
5 Den Becher hätt er lieber,
Trank draus bei jedem Schmaus
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben
10 Zählt’ er seine Städt’ und Reich’
Gönnt alles seinen Erben
Den Becher nicht zugleich.
Beym hohen Königsmale
Die Ritter um ihn her
15 Im alten Vätersaale
Auf seinem Schloß am Meer.
Da saß der alte Zecher
Trank letzte Lebens Glut
Und warf den heil’gen Becher
20 Hinunter in die Fluth.
Er sah ihn sinken, trinken
Und stürzen tief ins Meer;
Die Augen thäten Ihm sinken,
Trank nie keinen Tropfen mehr





Entstehungsjahr: um 1774
Erscheinungsjahr: 1782
Fassung: Andere
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 1222-1223.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Es war ein König in Tule] , entstanden 1776-1777
Späte Fassung: [Es war ein König in Thule] , entstanden 1774
Andere Fassung: Der König in Thule , entstanden 1774

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.