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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Johann Wolfgang von Goethe

Der König in Thule

Es war ein König in Thule
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.
5 Es ging ihm nichts darüber,
Er leert ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben,
10 Zählt’ er seine Städt’ im Reich,
Gönnt’ alles seinem Erben,
Den Becher nicht zugleich.
Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
15 Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.
Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut,
Und warf den heil’gen Becher
20 Hinunter in die Flut.
Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer.
Die Augen täten ihm sinken,
Trank nie einen Tropfen mehr.





Entstehungsjahr: 1774
Erscheinungsjahr: ?
Fassung: Andere
Aus: Balladen und Romanzen
Referenzausgabe:
Karl Eibl: Johann Wolfgang Goethe. Sämtliche Werke, Briefe, Tagebücher und Gespräche, Bd. 1. Deutscher Klassiker-Verlag: 1987, S. 664-665.
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: [Es war ein König in Tule] , entstanden 1776-1777
Späte Fassung: [Es war ein König in Thule] , entstanden 1774
Andere Fassung: [Es war ein König in Thule] , entstanden um 1774

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.