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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Leopold Schefer

[Geh fleißig um mit deinen Kindern! Habe]

Geh fleißig um mit deinen Kindern! habe
Sie Tag und Nacht um dich, und liebe sie,
Und laß dich lieben einzig-schöne Jahre;
Denn nur den engen Traum der Kindheit sind
5 Sie dein, nicht länger! Mit der Jugend schon
Durchschleicht sie Vieles bald – was du nicht bist,
Und lockt sie Mancherlei – was du nicht hast,
Erfahren sie von einer alten Welt,
Die ihren Geist erfüllt; die Zukunft schwebt
10 Nun ihnen vor.  So geht die Gegenwart
Verloren.  Mit dem Wandertäschchen dann
Voll Nöthigkeiten zieht der Knabe fort,
Du siehtst ihm weinend nach bis er verschwindet,
Und nimmer wird er wieder dein! Er kehrt
15 Zurück, er liebt, er wählt der Jungfrau’n Eine,
Er lebt! Sie leben, Andre leben auf
Aus ihm – du hast nun einen Mann an ihm,
Hast einen Menschen – aber mehr kein Kind!
Die Tochter bringt vermählt dir ihre Kinder
20 Aus Freude gern noch manchmal in dein Haus!
Du hast die Mutter – aber mehr kein Kind
Geh fleißig um mit deinen Kindern! habe
Sie Tag und Nacht um dich, und liebe sie,
und laß dich lieben einzig-schöne Jahre!





Entstehungsjahr: vor 1830
Erscheinungsjahr: 1829
Aus: Laienbrevier / Februar VII.
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Laienbrevier von Leopold Schefer. Erstes Halbjahr, Bd. 1. Verlag von Veit und Comp., Berlin: 1834, S. 46-47.
Bemerkungen
Erstdruck in: Musenalmanach für das Jahr 1830. Hrsg. von Amadeus Wendt, Leipzig 1829.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.