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Georg Heym

Mit den fahrenden Schiffen ...

Mit den fahrenden Schiffen
Sind wir vorübergeschweift,
Die wir ewig herunter
Durch glänzende Winter gestreift.
5 Ferner kamen wir immer
Und tanzten im insligen Meer,
Weit ging die Flut uns vorbei,
Und der Himmel war schallend und leer.
Sage die Stadt,
10 Wo ich nicht saß im Tor,
Ging dein Fuß da hindurch,
Der die Locke ich schor?
Unter dem sterbenden Abend
Das suchende Licht
15 Hielt ich, wer kam da hinab,
Ach, ewig in fremdes Gesicht.
Bei den Toten ich rief,
Im abgeschiedenen Ort,
Wo die Begrabenen wohnen;
20 Du, ach, warest nicht dort.
Und ich ging über Feld,
Und die wehenden Bäume zu Haupt
Standen im frierenden Himmel
Und waren im Winter entlaubt.
25 Raben und Krähen
Habe ich ausgesandt,
Und sie stoben im Grauen
Über das ziehende Land.
Aber sie fielen wie Steine
30 Zur Nacht mit traurigem Laut
Und hielten im eisernen Schnabel
Die Kränze von Stroh und Kraut.
Manchmal ist deine Stimme,
Die im Winde verstreicht,
35 Deine Hand, die im Traume
Rühret die Schläfe mir leicht;
Alles war schon vorzeiten.
Und kehret wieder sich um.
Gehet in Trauer gehüllet,
40 Streuet Asche herum.





Entstehungsjahr: 1911
Erscheinungsjahr: 1912
Fassung: Späte
Aus: Gedichte aus den Jahren 1910 bis 1912
Referenzausgabe:
Karl Ludwig Schneider / Gunter Martens: Georg Heym. Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe, Bd. 1. Verlag Heinrich Ellermann,: 1962ff., S. 457-458.
Bemerkungen
Erstdruck in »Umbra vitae«, Leipzig 1912
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Mit den fahrenden Schiffen ... , entstanden 1911

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.