Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Alfred Lichtenstein

Die Stadt

Ein weißer Vogel ist der große Himmel.
Hart unter ihn geduckt stiert eine Stadt.
Die Häuser sind halbtote alte Leute.
Griesgrämig glotzt ein dünner Droschkenschimmel.
5 Und Winde, magre Hunde, rennen matt.
An scharfen Ecken quietschen ihre Häute.
In einer Straße stöhnt ein Irrer: Du, ach, du –
Wenn ich dich endlich, o Geliebte, fände ...
Ein Haufen um ihn staunt und grinst voll Spott.
10 Drei kleine Menschen spielen Blindekuh –
Auf alles legt die grauen Puderhände
Der Nachmittag, ein sanft verweinter Gott.





Entstehungsjahr: 1913
Erscheinungsjahr: 1913
Aus: Gedichte / Die Dämmerung
Referenzausgabe:
Klaus Kanzog / Hartmut Vollmer: Alfred Lichtenstein. Dichtungen. Arche Verlag, Zürich: 1989, S. 65.
Bemerkungen
Erstdruck 1913 in »Die Aktion« III, Nr. 40, 4.10.1913, Sp. 945

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.