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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Alfred Lichtenstein

Die Dämmerung

Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.
Der Wind hat sich in einem Baum gefangen.
Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich,
Als wäre ihm die Schminke ausgegangen.
5 Auf lange Krücken schief herabgebückt
Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.
Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt.
Ein Pferdchen stolpert über eine Dame.
An einem Fenster klebt ein fetter Mann.
10 Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen.
Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an.
Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.





Entstehungsjahr: 1911
Erscheinungsjahr: 1911
Aus: Gedichte / Die Dämmerung
Referenzausgabe:
Klaus Kanzog / Hartmut Vollmer: Alfred Lichtenstein. Dichtungen. Arche Verlag, Zürich: 1989, S. 43.
Bemerkungen
Erstdruck 1911 in »Der Sturm« I, Nr. 55, 18.3.1911, S. 439
Dem Gedicht gegenübergestellt ist auf Seite 42 die Handschrift des Gedichtes aus Alfred Lichtensteins Gedichtheften.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.