|
Ernst Wilhelm Lotz
Aufbruch der Jugend
|
|
Die flammenden Gärten des Sommers, Winde, tief und voll Samen, |
|
Wolken, dunkel gebogen, und Häuser, zerschnitten von Licht. – |
|
Müdigkeiten, die aus verwüsteten Nächten über uns kamen, |
|
Köstlich gepflegte, verwelkten wie Blumen, die man sich bricht. |
|
| 5 |
 |
Also zu neuen Tagen erstarkt, wir spannen die Arme, |
|
Unbegreiflichen Lachens erschüttert, wie Kraft, die sich staut, |
|
Wie Truppenkolonnen, unruhig nach Ruf der Alarme, |
|
Wenn hoch und erwartet der Tag überm Osten blaut. |
|
|
Grell wehen die Fahnen, wir haben uns heftig entschlossen, |
| 10 |
 |
Ein Stoß ging durch uns, Not schrie, wir rollen geschwellt, |
|
Wie Sturmflut haben wir uns in die Straßen der Städte ergossen |
|
Und spülen vorüber die Trümmer zerborstener Welt. |
|
|
Wir fegen die Macht und stürzen die Throne der Alten, |
|
Vermoderte Kronen bieten wir lachend zu Kauf, |
| 15 |
 |
Wir haben die Türen zu wimmernden Kasematten zerspalten |
|
Und stoßen die Tore verruchter Gefängnisse auf. |
|
|
Nun kommen die Scharen Verbannter, sie strammen die Rücken, |
|
Wir pflanzen Waffen in ihre Hand, die sich fürchterlich krampft, |
|
Von roten Tribünen lodert erzürntes Entzücken |
| 20 |
 |
Und türmt Barrikaden, von glühenden Rufen umdampft. – |
|
|
Beglänzt von Morgen, wir sind die verheißnen Erhellten, |
|
Von jungen Messiaskronen das Haupthaar umzackt, |
|
Aus unsern Stirnen springen leuchtende neue Welten: |
|
Erfüllung und Künftiges, Tage, Sturm-überflaggt! |