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Felix Dahn
König Manfreds Grab
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Den toten Manfred plünderten Burgunden, |
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Zerfleischend ihn mit zwanzig Lanzenwunden, |
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Gern gab dem Ketzer jeder einen Stich: |
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Und Karl von Anjou trat, der bleifarbbleiche, |
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Mit ehrnem Fuß fest auf die Brust der Leiche |
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Und sprach: »Aas bist du – Herr bin ich.« |
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Auf ödem Heidemoor verscharrten Knechte |
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Abseit vom Weg ihn unter Dorngeflechte. – |
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Ein Krüppel, dem er wohlgethan einmal, |
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Wollt' ihm ein Holzkreuz auf die Grube setzen: |
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Jedoch mit Hunden ließ hinweg ihn hetzen |
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Johann, Cosenzas Kardinal. |
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Ein Dornbusch nur war Merkmal jener Stätte. – |
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Doch nach sechs Jahren träumt' im Purpurbette |
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Dem Anjou, – um sich schlug er mit der Hand! – |
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Den toten Manfred hör' er drohend sprechen: |
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»Dein Reich wird spurlos in Italien brechen: |
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Ich ruhe bald in freiem Land.« |
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Empor fuhr der Tyrann: »Dies Omen wend' ich! |
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Des Ketzers ausgegrab'ne Knochen send' ich |
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Nach Frankreich, dort zu senken sie ins Meer!« – |
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Und auf das Schlachtfeld sandt' er seine Boten, |
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Viel hundert Häscher nach dem Einen Toten: – |
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Sie kamen heim, die Hände leer. |
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»Herr« – sprachen sie – »mag uns dein Zorn verschlingen – |
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Wir können diesen König nicht dir bringen: |
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Ein Dornbusch – wie du weißt – stand an dem Ort: |
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Der muß gewesen sein von wilden Rosen: |
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Denn unabsehbar jetzt im Lenzwind kosen |
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Viel tausend, tausend Rosen dort. |
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'Den Wald der Rosen' nennt den Ort die Menge; |
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Unscheidbar wogt das duft'ge Strauchgedränge: |
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Unmöglich ward, daß man das Grab erkennt!« – – |
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Lang' ist des Anjous blutig Reich zerfallen: |
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Um Manfred singt ein Heer von Nachtigallen |
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Im Rosenwald von Benevent. |