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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ernst Stadler

Anrede

Ich bin nur Flamme, Durst und Schrei und Brand.
Durch meiner Seele enge Mulden schießt die Zeit
Wie dunkles Wasser, heftig, rasch und unerkannt.
Auf meinem Leibe brennt das Mal: Vergänglichkeit.
5 Du aber bist der Spiegel, über dessen Rund
Die großen Bäche alles Lebens geh'n,
Und hinter dessen quellend gold'nem Grund
Die toten Dinge schimmernd aufersteh'n.
Mein Bestes glüht und lischt – ein irrer Stern,
10 Der in den Abgrund blauer Sommernächte fällt –
Doch deiner Tage Bild ist hoch und fern,
Ewiges Zeichen, schützend um dein Schicksal hergestellt.





Entstehungsjahr: 1898-1911
Erscheinungsjahr: 1911
Aus: Der Aufbruch / Die Spiegel
Referenzausgabe:
Klaus Hurlebusch / Karl Ludwig Schneider: Ernst Stadler. Dichtungen, Schriften, Briefe. Kritische Ausgabe. C. H. Beck, München: 1983, S. 168.
Bemerkungen
Erstdruck in: »Die Aktion«, 13.11.1911, Nr. 39.
D2 in »Der Aufbruch. Gedichte«, Leipzig 1914, S. 63.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.