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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ernst Stadler

Form ist Wollust

Form und Riegel mußten erst zerspringen,
Welt durch aufgeschlossne Röhren dringen:
Form ist Wollust, Friede, himmlisches Genügen,
Doch mich reißt es, Ackerschollen umzupflügen.
5 Form will mich verschnüren und verengen,
Doch ich will mein Sein in alle Weiten drängen –
Form ist klare Härte ohn' Erbarmen,
Doch mich treibt es zu den Dumpfen, zu den Armen,
Und in grenzenlosem Michverschenken
10 Will mich Leben mit Erfüllung tränken.





Entstehungsjahr: 1898-1914
Erscheinungsjahr: 1914
Aus: Der Aufbruch / Die Flucht
Referenzausgabe:
Klaus Hurlebusch / Karl Ludwig Schneider: Ernst Stadler. Dichtungen, Schriften, Briefe. Kritische Ausgabe. C. H. Beck, München: 1983, S. 138.
Bemerkungen
Erstdruck in »Der Aufbruch. Gedichte«, Leipzig 1914, S. 30

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.