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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ernst Stadler

Schwerer Abend

Die Tore aller Himmel stehen hoch dem Dunkel offen,
Das lautlos einströmt, wie in bodenlosen Trichter
Land niederreißend. Schatten treten dichter
Aus lockren Poren nachtgefüllter Schollen.
5 Die Pappeln, die noch kaum von Sonne troffen,
Sind stumpf wie schwarze Kreuzesstämme übers Land geschlagen.
Die Acker wachsen grau und drohend – Ebenen trüber Schlacke.
Nacht wirbelt aus den Wolkengruben, über die die Stöße rollen
Schon kühler Winde, und im dämmrigen Gezacke
10 Hellgrüner Weidenbüschel, drin es rastend sich und röchelnd eingeschlagen,
Verglast das letzte Licht.





Entstehungsjahr: 1898-1914
Erscheinungsjahr: 1914
Aus: Der Aufbruch / Die Rast
Referenzausgabe:
Klaus Hurlebusch / Karl Ludwig Schneider: Ernst Stadler. Dichtungen, Schriften, Briefe. Kritische Ausgabe. C. H. Beck, München: 1983, S. 179.
Bemerkungen
Erstdruck in »Der Aufbruch. Gedichte«, Leipzig 1914, S. 75.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.