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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Richard Dehmel

Der Arbeitsmann

Wir haben ein Bett, wir haben ein Kind,
mein Weib!
Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit,
und haben die Sonne und Regen und Wind,
5 und uns fehlt nur eine Kleinigkeit,
um so frei zu sein, wie die Vögel sind:
Nur Zeit.
Wenn wir Sonntags durch die Felder gehn,
mein Kind,
10 und über den Ähren weit und breit
das blaue Schwalbenvolk blitzen sehn,
oh, dann fehlt uns nicht das bißchen Kleid,
um so schön zu sein wie die Vögel sind:
Nur Zeit.
15 Nur Zeit! wir wittern Gewitterwind,
wir Volk.
Nur eine kleine Ewigkeit;
uns fehlt ja nichts, mein Weib, mein Kind,
als all das, was durch uns gedeiht,
20 um so kühn zu sein, wie die Vögel sind.
Nur Zeit!





Entstehungsjahr: 1878-1907
Erscheinungsjahr: 1907
Aus: Aber die Liebe / Zweite Folge
Referenzausgabe:
Ohne Herausgeber: Gesammelte Werke von Richard Dehmel, Bd. 2. S. Fischer Verlag, Berlin: 1907, S. 170-171.
Bemerkungen
Die Entstehungsdaten des Gedichtes sind an den Lebensdaten des Autors angelehnt.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.