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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Detlev von Liliencron

Wiegenlied

Vor der Türe schläft der Baum,
Durch den Garten zieht ein Traum.
Langsam schwimmt der Mondeskahn,
Und im Schlafe kräht der Hahn.
5   Schlaf, mein Wölfchen, schlaf.
Schlaf, mein Wulff. In später Stund
Küß ich deinen roten Mund.
Streck dein kleines dickes Bein,
Steht noch nicht auf Weg und Stein.
10   Schlaf, mein Wölfchen, schlaf.
Schlaf, mein Wulff. Es kommt die Zeit,
Regen rinnt, es stürmt und schneit.
Lebst in atemloser Hast,
Hättest gerne Schlaf und Rast.
15   Schlaf, mein Wölfchen, schlaf.
Vor der Türe schläft der Baum,
Durch den Garten zieht ein Traum.
Langsam schwimmt der Mondeskahn,
Und im Schlafe kräht der Hahn.
20   Schlaf, mein Wölfchen, schlaf.





Entstehungsjahr: 1859-1909
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Gedichte / Träume ind Visionen
Referenzausgabe:
Benno von Wiese: Detlev von Liliencron. Werke, Bd. 1. Insel Verlag, Frankfurt am Main: 1977, S. 222-223.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.