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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Hebbel

An den Tod

Halb aus dem Schlummer erwacht,
Den ich traumlos getrunken,
Ach, wie war ich versunken
In die unendliche Nacht!
5 Tiefes Verdämmern des Seins,
Denkend nichts, noch empfindend!
Nichtig mir selber entschwindend,
Schatte mit Schatten zu eins!
Da beschlichs mich so bang,
10 Ob auch, den Bruder verdrängend,
Geist mir und Sinne verengend,
Listig der Tod mich umschlang.
Schaudernd dacht ichs und fuhr
Auf und schloß mich ans Leben,
15 Drängte in glühndem Erheben
Kühn mich an Gott und Natur.
Siehe, da hab ich gelebt:
Was sonst, zu Tropfen zerflossen,
Langsam und karg sich ergossen,
20 Hat mich auf einmal durchbebt.
Oft noch berühre du mich,
Tod, wenn ich in mir zerrinne,
Bis ich mich wieder gewinne
Durch den Gedanken an dich!





Entstehungsjahr: 1837
Erscheinungsjahr: 1857
Aus: Gedichte [Gesamtausgabe 1857] / Vermischte Gedichte
Referenzausgabe:
Hannsludwig Geiger: Friedrich Hebbel. Sämtliche Werke, Bd. 2. Der Tempel-Verlag, Berlin / Darstadt: 1961, S. 121-122.
Bemerkungen
Die Entstehungsdaten sind mangels Kommentierung der Ausgabe aus »Fricke et al: Friedrich Hebbel. Werke. 1965« entnommen.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.