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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Rainer Maria Rilke

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
5 Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
10 sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.





Entstehungsjahr: 1902-1903
Erscheinungsjahr: 1903
Aus: Neue Gedichte
Referenzausgabe:
Ernst Zinn: Rainer Maria Rilke. Die Gedichte. Insel Verlag, Frankfurt: 1986, S. 451.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.