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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hugo von Hofmannsthal

[Zuweilen kommen niegeliebte Frauen]

Zuweilen kommen niegeliebte Frauen
Im Traum als kleine Mädchen uns entgegen
Und sind unsäglich rührend anzuschauen,
Als wären sie mit uns auf fernen Wegen
5 Einmal an einem Abend lang gegangen,
Indess die Wipfel athmend sich bewegen,
Und Duft herunterfällt und Nacht und Bangen,
Und längs des Weges, unsres Wegs, des dunkeln,
Im Abendschein die stummen Weiher prangen,
10 Und, Spiegel unsrer Sehnsucht, traumhaft funkeln,
Und allen leisen Worten, allem Schweben
Der Abendluft und erstem Sternefunkeln
Die Seelen schwesterlich und tief erbeben
Und traurig sind und voll Triumphgepränge
15 Vor tiefer Ahnung, die das grosse Leben
Begreift und seine Herrlichkeit und Strenge.





Entstehungsjahr: 1894
Erscheinungsjahr: 1895
Referenzausgabe:
Eugene Weber (Bd. 1): Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe, Bd. 1. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main: 1984, S. 46.
Bemerkungen
Erstdruck, 1895 in »Pan«. In der Gedichtsausgabe von 1922 als »Terzinen über Vergänglichkeit IV« erschienen.

Gedicht eingearbeitet von: Cláudia Nunes da.