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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hugo von Hofmannsthal

Der Schiffskoch, ein Gefangener, singt:

Weh, geschieden von den Meinigen,
Lieg ich hier seit vielen Wochen,
Ach und denen, die mich peinigen,
5 Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen.
Schöne purpurflossige Fische,
Die sie mir lebendig brachten,
Schauen aus gebrochenen Augen,
Sanfte Tiere muß ich schlachten.
10 Stille Tiere muß ich schlachten,
Schöne Früchte muß ich schälen
Und für sie, die mich verachten,
Feurige Gewürze wählen.
Und wie ich gebeugt beim Licht in
15 Süß- und scharfen Düften wühle,
Steigen auf ins Herz der Freiheit
Ungeheuere Gefühle!
Weh, geschieden von den Meinigen,
Lieg ich hier seit wieviel Wochen!
20 Ach und denen, die mich peinigen,
Muß ich Mahl- um Mahlzeit kochen!





Entstehungsjahr: 1901
Erscheinungsjahr: 1904
Referenzausgabe:
Eugene Weber (Bd. 1): Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe, Bd. 1. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main: 1984, S. 102.
Bemerkungen
Das Gedicht ist 1904 in »Blätter für die Kunst« erschienen.

Gedicht eingearbeitet von: Cláudia Nunes da.