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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hugo von Hofmannsthal

Was ist die Welt?

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
5 Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht,
Und jedes Menschen wechselndes Gemüth,
Ein Strahl ist's, der aus dieser Sonne bricht,
Ein Vers, der sich an tausend and're flicht,
Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.
10 Und doch auch eine Welt für sich allein,
Voll süß-geheimer, nie vernomm'ner Töne,
Begabt mit eig'ner, unentweihter Schöne,
Und keines Andern Nachhall, Widerschein.
Und wenn Du gar zu lesen d'rin verstündest,
15 Ein Buch, das Du im Leben nicht ergründest.





Entstehungsjahr: 1890
Erscheinungsjahr: 1890
Referenzausgabe:
Eugene Weber (Bd. 1): Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe, Bd. 1. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main: 1984, S. 7.
Bemerkungen
Erstdruck in »An der schönen blauen Donau« V,15, 1890.
Vgl. Andreas Gryphius' Gedicht »Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen«.

Gedicht eingearbeitet von: Cláudia Nunes da.