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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hugo von Hofmannsthal

Über Vergänglichkeit

Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen:
Wie kann das sein, daß diese nahen Tage
Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?
Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt,
5 Und viel zu grauenvoll, als daß man klage:
Daß alles gleitet und vorüberrinnt.
Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt,
Herüberglitt aus einem kleinen Kind,
Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.
10 Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war
Und meine Ahnen, die im Totenhemd,
Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,
So eins mit mir als wie mein eignes Haar.





Entstehungsjahr: 1894
Erscheinungsjahr: 1896
Referenzausgabe:
Eugene Weber (Bd. 1): Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe, Bd. 1. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main: 1984, S. 45.
Bemerkungen
Erstdruck in »Blätter für die Kunst« im März 1896. In anderen Ausgaben gerne als Teil I des Zyklus »Terzinen« bezeichnet

Gedicht eingearbeitet von: Cláudia Nunes da.