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Georg Trakl

An den Knaben Elis

Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,
Dieses ist dein Untergang.
Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.
Laß, wenn deine Stirne leise blutet
5 Uralte Legenden
Und dunkle Deutung des Vogelflugs.
Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht,
Die voll purpurner Trauben hängt
Und du regst die Arme schöner im Blau.
10 Ein Dornenbusch tönt,
Wo deine mondenen Augen sind.
O, wie lange bist, Elis, du verstorben.
Dein Leib ist eine Hyazinthe,
In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.
15 Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,
Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt
Und langsam die schweren Lider senkt.
Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,
Das letzte Gold verfallener Sterne.





Entstehungsjahr: 1913
Erscheinungsjahr: 1913
Fassung: Frühe
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Walther Killy / Hans Szklenar: Georg Trakl. Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Otto Müller Verlag, Salzburg: 1987, S. 26.
Bemerkungen
Erstdruck: in »Der Brenner«, III. Jahr, Innsbruck, 15. April 1913, Heft 14
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Mittlere Fassung: [Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft] , entstanden 1913

Gedicht eingearbeitet von: Dieter peuker.