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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß
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Georg Trakl

Verfall

Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.
5 Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
Träum ich nach ihren helleren Geschicken
Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
10 Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
Indes wie blasser Kinder Todesreigen
Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.





Entstehungsjahr: 1909
Erscheinungsjahr: 1913
Fassung: Späte
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Walther Killy / Hans Szklenar: Georg Trakl. Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Otto Müller Verlag, Salzburg: 1987, S. 59.
Bemerkungen
Erstdruck in »Gedichte, Leipzig: Kurt Wolff 1913
Andere Fassungen in der Freiburger Anthologie:
Frühe Fassung: Herbst , entstanden 1909

Gedicht eingearbeitet von: Dieter peuker.