Zurück zur FA Hauptseite
Zurück zur vorigen Seite
Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Georg Trakl

De profundis

Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist.
Wie traurig dieser Abend.
5 Am Weiler vorbei
Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung
Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.
Bei der Heimkehr
10 Fanden die Hirten den süßen Leib
Verwest im Dornenbusch.
Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.
Gottes Schweigen
Trank ich aus dem Brunnen des Hains.
15 Auf meine Stirne tritt kaltes Metall
Spinnen suchen mein Herz.
Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.
Nachts fand ich mich auf einer Heide,
Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
20 Im Haselgebüsch
Klangen wieder kristallne Engel.





Entstehungsjahr: 1912
Erscheinungsjahr: 1912
Aus: Gedichte
Referenzausgabe:
Walther Killy / Hans Szklenar: Georg Trakl. Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe, Bd. 1. Otto Müller Verlag, Salzburg: 1987, S. 46.
Bemerkungen
Erstdruck: in »Der Brenner«, III. Jahr, Innsbruck, 15. Dezember 1912, Heft 6

Gedicht eingearbeitet von: Dieter peuker.