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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Hugo von Hofmannsthal

Der Juengling in der Landschaft

Die Gärtner legten ihre Beete frei,
Und viele Bettler waren überall
Mit schwarzverbundnen Augen, und mit Krücken,
5 Doch auch mit Harfen und den neuen Blumen,
Dem starken Duft der schwachen Frühlingsblumen.
Die nackten Bäume ließen Alles frei:
Man sah den Fluß hinab und sah den Markt
Und viele Kinder spielen längs den Teichen.
10 Durch diese Landschaft ging er langsam hin
Und fühlte ihre Macht und wußte, daß
Auf ihn die Weltgeschicke sich bezogen.
Auf jene fremden Kinder ging er zu
Und war bereit, an unbekannter Schwelle
15 Ein neues Leben dienend hinzubringen.
Ihm fiel nicht ein, den Reichtum seiner Seele,
Die frühern Wege und Erinnerung
Verschlung’ner Finger und getauschter Seelen
Für mehr als nichtigen Besitz zu achten.
20 Der Duft der Blumen redete ihm nur
Von fremder Schönheit und die neue Luft
Nahm er still athmend ein, doch ohne Sehnsucht
Nur, daß er dienen durfte, freute ihn.





Entstehungsjahr: 1896
Erscheinungsjahr: 1896
Referenzausgabe:
Eugene Weber (Bd. 1): Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe, Bd. 1. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. Main: 1984, S. 65.
Bemerkungen
Erstdruck in »Pan«, 2. Jahrgang. Heft 2. Berlin 1896.

Gedicht eingearbeitet von: Cláudia Nunes da.