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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Christian Morgenstern

Drei Hasen
Eine groteske Ballade

Drei Hasen tanzen im Mondenschein
im Wiesenwinkel am See:
Der eine ist ein Löwe,
der andre eine Möwe,
5 der dritte ist ein Reh.
Wer fragt, der ist gerichtet,
hier wird nicht kommentiert,
hier wird an sich gedichtet;
doch fühlst du dich verpflichtet,
10 erheb sie ins Geviert,
und füge dazu den Purzel
von einem Purzelbaum,
und zieh aus dem Ganzen die Wurzel
und träum den Extrakt als Traum.
15 Dann wirst du die Hasen sehen
im Wiesenwinkel am See,
wie sie auf silbernen Zehen
im Mondschein sich wunderlich drehen
als Löwe, Möwe und Reh.





Entstehungsjahr: um 1906
Erscheinungsjahr: 1928
Aus: Nachlese zur Galgenpoesie / Galgenlieder nebst anderem
Referenzausgabe:
Reinhardt Habel (Hg.) / Martin Kiesig (Bd. 1+2) /Maurice Cureau (Bd. 3): Christian Morgenstern. Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe, Bd. 3. Verlag Urachhaus, Stuttgart: 1987ff., S. 199.
Bemerkungen
Erstdruck in »Die Schallmühle«, 1928

Gedicht eingearbeitet von: Gretel Steiner.