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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Ferdinand Freiligrath

[Auf der Messe, da zieht es, da stürmt es hinan]

Auf der Messe, da zieht es, da stürmt es hinan
Zum Zirkus, zum glatten, geebneten Plan
Es schmettern Trompeten, das Becken klingt,
Dumpf wirbelt die Trommel, Bajazzo springt.
5 Herbei, herbei! – das tobt und drängt;
Die Reiter fliegen; die Bahn durchsprengt
Der Türkenrapp' und der Britenfuchs!
Die Weiber zeigen den üppigen Wuchs.
Und an der Reitbahn verschleiertem Tor
10 Steht ernst ein krausgelockter Mohr;
Die türkische Trommel schlägt er laut,
Auf der Trommel liegt eine Löwenhaut.
Er sieht nicht der Reiter zierlichen Schwung,
Er sieht nicht der Rosse gewagte Sprung.
15 Mit starrem, trocknem Auge schaut
Der Mohr auf die zottige Löwenhaut.
Er denkt an den fernen, fernen Niger,
Und daß er gejagt den Löwen, den Tier;
Und daß er geschwungen im Kampfe das Schwert,
20 Und daß er nimmer zum Lager gekehrt;
Und daß sie Blumen für ihn geplückt,
Und daß sie das Haar mit Perlen geschmückt -
Sein Auge ward naß, mit dumpfem Klang
Schlug er das Fell, daß es rasselnd zersprang.





Entstehungsjahr: vor 1838
Erscheinungsjahr: 1838
Aus: Gedichte 1838 / Balladen und Romanzen / Der Mohrenfürst 2
Referenzausgabe:
Ludwig Schröder: Ferdinand Freiligraths sämtliche Werke in zehn Bänden, Bd. 2. Max Hesses Verlag: 1907, S. 38-39.

Gedicht eingearbeitet von: Cláudia Nunes da.