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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Friedrich Nietzsche

[Tag meines Lebens!]

Tag meines Lebens!
die Sonne sinkt.
Schon steht die glatte
     Fluth vergüldet.
5 Warm athmet der Fels:
     schlief wohl zu Mittag
das Glück auf ihm seinen Mittagsschlaf?
     In grünen Lichtern
spielt Glück noch der braune Abgrund herauf.
10 Tag meines Lebens!
gen Abend gehts!
Schon glüht dein Auge
     halbgebrochen,
schon quillt deines Thaus
15      Thränengeträufel,
schon läuft still über weisse Meere
deiner Liebe Purpur,
deine letzte zögernde Seligkeit ...





Entstehungsjahr: 1888-1889
Erscheinungsjahr: 1891
Aus: Dionysos-Dithyramben / Die Sonne sinkt 2
Referenzausgabe:
Georgino Colli / Mazzino Montinari: Friedrich Nietzsche. Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe in 15 Bänden, Bd. 6. dtv, de Gruyter, München / Berlin / New York: 1980, S. 395-396.

Gedicht eingearbeitet von: Jochen Knaus.