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Gedicht in Druckansicht: schwarz/weiß

Rainer Maria Rilke

[Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens]

Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Siehe, wie klein dort,
siehe: die letzte Ortschaft der Worte, und höher,
aber wie klein auch, noch ein letztes
Gehöft von Gefühl. Erkennst du's?
5 Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens. Steingrund
unter den Händen. Hier blüht wohl
einiges auf; aus stummem Absturz
blüht ein unwissendes Kraut singend hervor.
Aber der Wissende? Ach, der zu wissen begann
10 und schweigt nun, ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
Da geht wohl, heilen Bewußtseins,
manches umher, manches gesicherte Bergtier,
wechselt und weilt. Und der große geborgene Vogel
kreist um der Gipfel reine Verweigerung. – Aber
15 ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens ....





Entstehungsjahr: 1914
Erscheinungsjahr: ?
Aus: Aus dem Nachlaß / 1906 bis 1926 / Vollendetes
Referenzausgabe:
Ernst Zinn: Rainer Maria Rilke. Die Gedichte. Insel Verlag, Frankfurt: 1986, S. 880-881.

Gedicht eingearbeitet von: Klemens Wolber.